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Hannoversche Orchestervereinigung konzertiert im NDR

Wer angesichts des angekündigten Programms einen schwergewichtigen und ernsten Konzertabend erwartet hatte, wurde gewiss nicht enttäuscht, konnte aber auch überraschend Erfreuliches erleben. Die Hannoversche Orchestervereinigung gestaltete am 24. November im Großen Sendesaal des NDR die sinfonische Dichtung „Danse macabre“ („Totentanz“) von Saint-Saëns und Brahms' erste Sinfonie; dazwischen erklang das Konzert für Marimbaphon und Streicher des zeitgenössischen Komponisten Ney Rosauro brasilianischer Herkunft.

Das Marimbaphon-Konzert mit dem jungen Perkussionisten Simon Etzold war die Überraschung des Abends und erreichte das zahlreich anwesende Publikum derart direkt, dass sich begeisterter Beifall auch zwischen den Sätzen nicht vermeiden ließ. Der Solist am Marimbaphon und Dirigent Lill nahmen das locker. Simon Etzold gestaltete nicht nur virtuos, sondern auch mit Umsicht. Er verstand es, sämtliche rhythmischen, melodischen und harmonischen Finessen des Werkes plastisch und gefühlvoll darzustellen. Das kam gut an bei den etwa 900 Zuhörern, die offensichtlich endlich mal ignorierten, was die Welt über das norddeutsche Temperament zu wissen meint. Einige Konzertbesucher forderten gar eine Zugabe - vor der Pause.

 Eröffnet hatte die HOV den Abend mit Saint-Saëns' Opus 40. Das war zur Freude des Publikums keine bitterernste Angelegenheit. Unter Martin Lill am Pult wurde die sinfonische Dichtung zu einer eleganten französischen Erzählung, spannend, voller Geheimnisse und Anspielungen, doch letztendlich tänzerisch, leicht und stellenweise gar ironisch. Ein jugendlicher Zuhörer im Saal fand das Werk „witzig“. Da ist was dran.

In der zweiten Halbzeit steuerte Dirigent Lill Brahms' erste Sinfonie in eine ebenfalls zeitgemäße Richtung: Sie erklang ohne falsches Pathos, mit feinen Spannungsbögen, entschlackt, jugendlich. Der erste Satz hat seine Tücken; die HOV meisterte sie heldenhaft. Die beiden Mittelsätze verzückten die Zuhörer und regten zum Träumen an. Der Finalsatz war glasklar gestaltet, auch dank der homogen klingenden und synchron agierenden Bläser, die Lill wieder einmal bestens im Griff hatte.

Langanhaltender und herzlicher Beifall für ein großes Laienorchester unserer Landeshauptstadt und Region. Ein Orchester mit bedeutsamer Vergangenheit und ohrenscheinlicht mit Zukunft. Im April 2013 gestaltet die HOV Saint-Saëns' dritte Sinfonie c-Moll. Wir sind gespannt!

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